Integration von Flüchtlingen: Bestandsaufnahme vor Ort

Anke Leufgen (Willkommenslotsin der IHK), Michael Gerdes, Steffen Zoller (Vice President Operations bei SEEPEX), Anette Kramme und Peter Schnepper (stellv. Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen) (v.l.n.r.) mit den Auszubildenden der SEEPEX GmbH

Gemeinsam mit Anette Kramme, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), bin ich im vergangenen Sommer der Frage nachgegangen, wie gut die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt vor Ort gelingt und woran wir noch arbeiten müssen.

 

Erster Halt: das Bottroper Jobcenter

Bei einem Gespräch mit Thorsten Bräuninger, Geschäftsführer des Jobcenters, Karl Tymister, Leiter der Arbeitsagentur Gelsenkirchen, Sozialdezernent Willi Loeven und dem Bottroper Oberbürgermeister Bernd Tischler ging es zunächst um die Gesamtsituation am regionalen Arbeitsmarkt.

Im Vergleich zu anderen Ruhrgebietsstädten steht Bottrop gut da. Das drückt sich nicht zuletzt in einem vergleichsweise geringen Anteil an Hartz-IV-Beziehern aus. Für die Integration der Flüchtlinge sahen die Gesprächsteilnehmer die Stadt gut aufgestellt. Mit Hilfe des neu eingerichteten „Integration Point“ soll die Integration in Ausbildung und Arbeit ohne Zeitverlust in die Wege geleitet werden.

 

Zweiter Halt: der Fachdienst für Integration und Migration der Caritas

Der Fachdienst für Integration und Migration der Caritas leistet wichtige Arbeit bei der Beratung und Unterstützung von Flüchtlingen und anderen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Er bietet in großem Umfang Sprachtrainings an, setzt aber bewusst auch andere Schwerpunkte. Ein Beispiel dafür ist das Fotoprojekt „Bottrop durch unsere Augen“, an dem neben einer Gruppe Geflüchteter auch gebürtige Bottroperinnen und Bottroper teilnahmen. „Das gemeinsame Tun ist wichtig“, betonte die Leiterin des Fachdienstes, Bettina Beusing, in unserem Gespräch. „Integration ist mehr als Sprache.“

 

Dritter und vierter Halt: zwei Bottroper Unternehmen

Zum Abschluss haben wir zwei Bottroper Unternehmen besucht, die bereits Flüchtlinge beschäftigen. Begleitet wurden wir dabei von Peter Schnepper, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Nord Westfalen, und Anke Leufgen, Willkommenslotsin der IHK.

Die Firma SEEPEX ist als Spezialist im Bereich der Pumpentechnologie weltweit tätig und einer der größeren Ausbildungsbetriebe der Region – mit insgesamt 22 Auszubildenden. Einer davon ist seit dem 1. August 2016 Ayoub El Malki, der 2012 von Marokko nach Deutschland kam. Im Bewerbungsverfahren um eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker überzeugte er nicht nur mit guten Noten, sondern auch mit einer tollen Leistung im praktischen Ausbildungstest. Beim Rundgang durch die Produktionsräume des Unternehmens wird klar: Die Anforderungen an die Auszubildenden sind hoch. „Die neuen Maschinen werden immer komplexer, eine gute schulische Qualifikation immer wichtiger“, so Steffen Zoller, Vice President Operations.

Ähnliches berichtet die Firma celano, die Software für Unternehmen in der Stahlbranche entwickelt. Das Bottroper Unternehmen wurde 2002 gegründet und beschäftigt heute über 30 Mitarbeiter/innen. „Von jeher achten wir nicht darauf, woher die Mitarbeiter kommen, sondern welche Sprache sie sprechen – und zwar, welche Programmiersprache“, so Lorenzo Croce, Geschäftsführer der celano GmbH. Um das Thema Flüchtlinge hat sich das Unternehmen lange keine Gedanken gemacht. Dann jedoch kam ein Anruf von Rebecca Srebny, Case Managerin bei ELNet plus. Das vom BMAS geförderte Integrationsprojekt unterstützt und betreut Asylbewerber und Flüchtlinge in der Region Emscher-Lippe, um den Zugang zu Ausbildung und Arbeit zu verbessern. So kam Ismail Hatem – zunächst über ein Praktikum – zu celano. Der 25-jährige Marokkaner, der erst seit Oktober 2015 in Deutschland lebt, ist seit dem 1. August 2016 Auszubildender im Bereich Fachinformatik.

„Wir stellen fest, dass viele Unternehmen der Region offen dafür sind, Flüchtlinge zu beschäftigen“, so Peter Schnepper (IHK). „Was die betriebliche Integration oftmals noch erschwert, sind Unsicherheiten beim Spracherwerb oder der Bleibeperspektive.“