Einsatz von Glyphosat schnellstmöglich beenden

Die SPD-Bundestagsfraktion fordert den nationalen Ausstieg aus glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln. In einem Antrag, der in der vergangenen Sitzungswoche im Bundestag beraten wurde, fordern die SPD-Abgeordneten von der Bundesregierung, die Anwendung von Totalherbiziden durch Privatpersonen sowie in Haus- und Kleingärten, auf öffentlichen Flächen und innerhalb geschlossener Ortschaften mit sofortiger Wirkung zu verbieten. Eine Übergangsphase ist aus Sicht der SPD-Bundestagsfraktionnur nur in speziellen Fällen in der Landwirtschaft denkbar. Der Abkehr von Glyphosat müsse eine breit angelegte Artenschutzstrategie folgen.

 

Was ist Glyphosat?

Glyphosat ist weltweit das meistverwendete Pestizid. Das Mittel tötet fast alle Pflanzenarten und zählt daher zu den sogenannten Totalherbiziden. Lediglich Pflanzen, die entsprechend gentechnisch verändert sind, überleben den Einsatz. Die Eigenschaften von Glyphosat wurden in den 1970er Jahren von der Firma Monsanto patentiert. Das Mittel kam unter dem Namen „Roundup“ auf den Markt und wurde zum Bestseller.

Glyphosat gelangt, sobald es über die Blätter aufgenommen wurde, in alle Bestandteile der Pflanze: in Blätter, Samen und Wurzeln. Das Pflanzengift lässt sich nicht abwaschen und wird weder durch Erhitzen noch durch Einfrieren abgebaut. Rückstände verbleiben etwa ein Jahr lang in Lebens- und Futtermitteln.

Glyphosat bedroht die biologische Vielfalt. Wenn durch seinen Einsatz auf und neben den Ackerflächen weniger Wildpflanzen wachsen, schrumpft der Lebensraum von Insekten. Das trägt zu dem massiven Insektensterben bei, das gerade erst wieder Thema der öffentlichen Debatte war. Da Insekten die Hauptnahrungsquelle anderer Tierarten sind, sind auch sie bedroht.

Forderungen der SPD-Fraktion

In ihrem Antrag fordern die Sozialdemokraten, das bereits im Pflanzenschutzgesetz bestehende grundsätzliche Verwendungsverbot von Pflanzenschutzmitteln auf Plätzen, Wegen und Straßen konsequent umzusetzen. Bestehende Ausnahmen sollen eingeschränkt werden. Glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel dürfen laut Antrag nur dann zugelassen werden, wenn dies keine unannehmbaren Auswirkungen auf die biologische Vielfalt zur Folge hat.

Die Deutsche Bahn als einer der größten Einzelanwender von Glyphosat soll dabei unterstützt werden, alternative Pflanzenschutzmittel zu entwickeln. Darüber hinaus sollen Förderprogramme für einen nachhaltigen Pflanzenbau aufgelegt werden, mit dem Ziel, die in der Landwirtschaft eingesetzten Mengen chemischer Pflanzenschutzmittel zu reduzieren.

Zum Hintergrund

Der nationale Ausstieg aus glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln ist aus Sicht der SPD-Bundestagsfraktion notwendig geworden, weil der geschäftsführende Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) unlängst einer weiteren Zulassung von Glyphosat bis 2022 innerhalb der Europäischen Union zugestimmt hat, obwohl die geschäftsführende Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) ihr Veto eingelegt hatte.

Der Alleingang von Christian Schmidt hat einmal mehr gezeigt, dass die Verantwortung für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln nicht ausschließlich beim Landwirtschaftsministerium liegen sollte. Letztlich geht es um einen neuen Ansatz in der Agrarpolitik, hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher. Mensch und Umwelt sind auf die biologische Vielfalt angewiesen.